Wiki der Fachschaft Medizin Aachen
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Last edit on Feb 19, 2007 2:34 AM by Anonymous

Der Modellstudiengang in Aachen

Wie bewerten die Studenten selbst den Modellstudiengang?



Auf dieser Seite, soll allen Interessierten, vor allem aber auch potentiellen zukünftigen Studenten der
Medizin an der RWTH hier in Aachen, die Möglichkeit geboten werden, sich einmal die Meinung über das
aachener Modell eines Modellstudienganges von Seiten der Studentenschaft selbst anzuhören; quasi von Stundent
zu Bald-Student.
Hier soll nun einmal richtig "aus dem Nähkästchen geplaudert" werden, was die etwaigen Vorzüge, Umstände, aber
auch praktische Ungereimtheiten und Schwierigkeiten des Modellstudienganges anbelangt. Es soll als
Informationsquelle neben den bereits auf der RWTH-Seiten angebotenen Angaben dienen und somit bspw.
hoffentlich unsicheren Abiturienten, die noch vor dem Ausfüllen der Ortspräferenzen auf dem ZVS-Antrag
stehen, um wertvolle Details bereichern und damit diese schwere Entscheidung geringfügig erleichtern.

Der Sinn dieser Wiki-Site ließe sich also auch so zusammenfassen:
"Medizin in Aachen? Warum? Ist das was für mich?"


Eine Analogie:

Viele haben sich in dieser Situation schon wiedergefunden: Man hat jahrelang mühselig in der Schule Englisch
gelernt. Wenn man dann eines Tages nach langer schulischer Trainingsphase aber plötzlich gezwungen wird, mit
einem Muttersprachler ins Gespräch kommt, merkt man, dass das Gespräch alles andere als reibungslos verläuft.
Wie war das jetzt gleich mit dem Konjunktiv II? Kommt der Ort jetzt vor der Zeit im Satzbau? Wie war gleich
das Wort für Dings? Und andere Frage blockieren die Gedanken und gestalten ein flüssiges, angenehmes Gespräch
schwierig.
Das könnte daran liegen, dass man über Schuljahre hinweg immer jeweils die Grammatik, Satzbau, Aussprach,
das Üben fremder Tonbausteine (im Beispiel das TH), Vokabular, Konjugation, etc. getrennt voneinander behandelt hat.
Wenn man dann einen Auslandsaufenthalt absolviert, fühlt man sich vielleicht um all die Mühe im schulischen
Sprachunterricht betrogen. Es wird unweigerlich klar: Es geht ja doch viel einfacher. Innerhalb eines Jahres
eine Fremdsprache inklusive all ihrer unumgänglichen Bestandteile flüssig sprechen zu lernen ist durchaus
im Rahmen des Möglichen, wurde jedoch zu früheren Schulzeiten bestimmt noch für unmöglich gehalten.
Woran liegt das? Ganz einfach: In der Schule werden alle Aspekte der Sprache separat voneinander gelehrt,
was sicherlich in einem gewissen Ausmaß nötig ist, jedoch die Sprache an sich aus ihrem Kontext reißt,
unnötig verintellektualisiert und entfremdet. Beim Spracherwerb vor Ort werden hingegen all diese Aspekte
in ihren entsprechenden Kontexten gelassen und die Sprache kann auf "natürlicherem" Wege, und damit müheloser,
aufgenommen werden. Man lernt kurz gesagt alles gleichzeitig und vernetzt.
Genauso verhält es sich in etwa mit dem Regelstudiengang der Medizin, seiner auch nach der neuen AO noch
sehr ausgeprägten Trennung von Vorklinik und Klinik, und dem aachener Modellstudiengang. Hierzulande, wird
die Anatomie eines Körperbereiches zum Beispiel erst erlernt, wenn der Stoffe von dessen Biochemie, Physiologie,
Pathologie und ihrer klinischen Aspekte sowieso ansteht. Das Wissensgebiet kann somit in "komplexer Form"
abgespeichert werden und die einzelnen Wissenseinheiten sind nicht - vom Vergessen bedroht - chronologisch
voneinander getrennt und behindern das "ganzheitliche Verständnis" dieses Körperbereiches. Kurz: Man lernt
Dinge, wenn man sie auch tatsächlich benötigt.
Es soll damit nicht der Versuch unternommen werden, zu behaupten, dass der Umfang des theoretischen Wissens
beim Medizinstudium geringer sein müsste, jedoch bietet Aachen, meiner bescheidenen Meinung nach, eine
elegante Lösung, um die einzelnen Wissenbausteine in schmackhafteren, sinnvoller angeordneten und damit
"verdaubareren" Appetithappen anzubieten.



Weitere Argumente für eine möglichst weitgehende Verschmelzung von Vorklinik und Klinik:

Einen guten Beitrag, hatte Frederic Vester in seinem Buch "Denken, Lernen, Vergessen" bereits 1978
eingebracht: "Eine Gruppe von Münchener Medizinstudenten konnte zum Beispiel die Vorbereitsungszeit auf
das Staatsexamen dadurch auf ein Fünftel abkürzen (von 7 Monaten auf 6 Wochen), dass man nicht - wie
vorgeschrieben - Anatomie, Neurologie, Physiologie und Biochemie geweils für sich lernte und so immer
wieder eine neue Ebene des menschlichen Organismus getrennt von den anderen Ebenen anging, sondern dass
man von der sichtbaren Betrachtung eines Körperteils, zum Beispiel der linken Hand, ausging. An ein und
demselben Objekt wurden so erst einmal alle Fächer rundum abgetastet und nur die dieses Objekt betreffenden
Bruchteile des Lernstoffes sozusagen 'spielerisch' aufgenommen. Das war zunächst sehr ungewohnt und aufwändig.
Beim nächsten Körperteil ging es schon einfacher, vieles war auf einmal schon bekannt, man begann analoge
Schlüsse zu ziehen. Und so baute sich das medizinische Prüfungsgebäude nicht mehr als heterogene Stoff-
sammlung, sondern als Gesamtbild auf, das mit der Realität - dem menschlichen Organismus - fest verbunden
war. Disziplinorientiertes Lernen war in systemorientiertes Lernen übergegangen. Der Erfolg des Experiments
war eindeutig: die betreffenden Studenten hatten in der Prüfung immer genügend Assoziationen parat und
bestanden sämtlich mit guten Noten." (S. 186)

Der deutsche prominente Gehirnforscher Prof. Dr. med. Dr. phil. Manfred Spitzer, der selbst Medizin,
Psychologie und Philosophie in Freiburg studierte und seit 1997 sich mit dem Lehrstuhl für Psychiatrie der
Universität Ulm bekleidet, spricht sich in einem seiner aktuellen Bücher (Geschichten über das Gehirn)
ebenfalls für die dringend notwendige Verknüpfung von Vorklinik und Klinik aus.


Die Sonnenseiten:

Die Lernspirale.



Die Schattenseiten:

Ein großes Negativ-Beispiel innerhalb unseres Semesters ist sicherlich die Wiederholungsklausur der
Zellbiologie 1 (4 Fächer sind hier zusammengefasst, 4 Professoren stellen unabhängig von einander (?)
Fragen; klar, dass es hier dazu führen kann, dass jeder seinen Teilbereich als 'am wichtigsten' empfindet
und zum Rundumschlag der diffizilsten Fragen ausholt: Ergebnis)

Auch empfindet nicht jeder hier das rassige Angebot an Praktika notwendig. Im Moment (2.Sem.) sind wir nach
den Vormittagsvorlesungen quasi täglich noch 'praktisch' aktiv - und das kann durchaus mal bis 17 30 Uhr
gehen..

Bezüglich der Praktika, die ja das Nonplusultra für was auch immer sein sollen, kann ich mich Nico
anschließen. Davon gibts derzeit einfach zu viele.
Und auch die Kinderschuhe sind noch nicht erwachsen geworden.
Manche Dinge werden im darauffolgenden Jahr zum Positiven verändert, manche aber auch zum Negativen.

Oftmals ist es aber auf der einen Seite nervig, wenn es heißt "davon werden Sie im X. Semester noch hören",
auf der anderen Seite ziemlich aufwendig, die Dinge zu filtern, die die Profs "zum Verständnis" jetzt schon
erwähnen, die aber eigentlich im Moment noch nicht relevant sind; bedeutet also: lieber mal was mehr für die
Klausuren lernen.

Die Abstimmung zwischen den Dozenten scheint noch nicht ganz so gut zu funktionieren. Wiederum positiv
deswegen, weil hier mal etwas wiederholt wird, negativ deswegen, weil da der eine denkt, der andere hätte
das schon ausführlich besprochen und im Endeffekt ist noch gar nix besprochen.



Zitate von Studierenden des aachener Modellstudienganges:

  • "Ich fühle mich wohl hier, und bin froh in diesem doch sehr feinen Umfeld gelandet zu sein."
  • "Ich würde mich jederzeit wieder für den Modellstudiengang Medizin in Aachen entscheiden."
  • "Ich bin begeistert."

TO BE CONTINUED....