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Sep 16, 2009
2:26 PM
by Anonymous
4. offizielles Ostertagebuch
Sentiero Italiano - E1 - Umbrien
Umbrien - unendliche Weiten - Wir schrieben das Jahr 1998. Eintrag im Computer Logbuch der T.U.T Easterprise, wie alles begann:
Mittwoch 08.04.1998
Klausi und Knut beweisen beim Bahnhofs-Döner extreme Geduld, so dass wir pünktlich um 20:18 mit Döner und Füpi Fähnchen in den Zug nach Zürich steigen.
Apropos Geduld: Bei der Fahrkarten-Kontrolle bemerkt der Schaffner beiläufig, dass er in Singen Feierabend hat und dass - grob gesagt - auch die fehlende vierte Fahrkarte schon da sein könnte.
Die auch fehlende Bahncard will er mit Rücksicht auf den Feierabend nicht mehr sehen. Die weitere Fahrt verläuft überraschend planmässig, besonders lecker sind die 5 DM /Stück - Kekse im Eurostar von Florenz nach Arrezzo.
Donnerstag 09.04.1998
In Arrezzo (Ankunft ca. 7:30 über Sottopassagio) nimmt die Perfektion ihren weiteren Verlauf. Immer wieder erstaunlich ist, wie KLausi nur mit Hilfe der Worte "questo" "cosi" und "aqui" perfekte italienische Sätze bildet, so dass wir mit dem 7:30 Bus von Arrezzo nach San Guistino fahren. Mit "aqui" oder "aqua diente" oder so wird er in Luxemburg in ein paar Jahren noch sein Waterloo erleben, aber das wissen wir heute alle noch nicht.
Wie durch ein Wunder hält der Bus direkt vor der örtlichen Bar, wo Cafe und Cornetto-Latte auf uns warten. Während Christof überlegt, ob er sich bei lokalen Frisör noch schnell auf eine Wasserstoffstufe mit Villeneuve, GAscoigne und Struuuuuunz, verhandelt KLausi über unsere Taxifahrt zum Einstieg Bocca di Traberia.
Nachdem wir uns kurze Zeit (~2h) warm gelaufen und an das Terrain gewohnt haben (bei Regen bereitet der lehmige Boden doch etwas Schwierigkeiten) sind wir gegen 19:30 am Ziel (Bocca di Seriolo). Streck nicht erwähnenswert mal abgesehen von der Länge. Die Entscheidung zwischen Schutzhütten-Rifugio und Ferienwohnung beim Schumi-Fan fällt uns dementsprechend leicht.
Nachtrag: Wir kaufen bei Giacomo noch Bergkäse und Schinken, als Appetithäppchen vor dem richtigen Essen. Das Kochen lässt sich schwer an, da Giacomo erst noch die Bombola vide im Gasherd tauschen muss. Trotz der anstrengenden Tagesetappe bleiben von 750 gr. Barilla No.3 Spaghettini noch einige für die Mülltonne übrig. Mit wenig Wein, viel Muskelgold und ebensoviel Schlaf sorgen wir für einen aspirinlosen Start in dem Karfreitag. Johannes sieht's mit Genugtuung von überm Herd.
Freitag 10.04.1998
Etappe Bocca Seriola - Aqua Partita
Wir kommen zeitig weg und finden uns auf der Karte zum erstenmal zurecht. Die Wegemarkierungen machen es uns ausserdem einfach.Der Himmel hat sich aufgehellt, nur der Wind bläst uns schier vom Grad. Erst nach der Mittagsrast geht uns St. Antonio verloren und mit ihm die Orientierung.
An einem Gatter hat der Paisano die Farbe abgekratzt damit ihm keiner in die Wiese rennt. Prompt wählen wir den falschen Ausgang und laufen eine Schleife supplemento. Doch Aqua Partita ist doch erreicht, die Bar aperto.
Das albergo leider chiuso und das war nur die erste von 5 schlechten Nachrichten. Die anderen 4 betreffen die quattro giorni di piovere in prevista. Es geht auch sofort damit los. Wir sind in der Bar gefangen. Nach längeren Beratungen, die über 3 Biere andauern, rät uns der Wirt, in der nahegelegenen Kapelle zu übernachten.
Wir freunden uns mit dieser Idee an und zücken die Dalmuti-Karten. Nachdem wir dann abends die Kapelle für unsere Bedürfnissen umgebaut haben, finden wir Zeit für die geflügelten Worte des Tage, u.a. will Roland sich umbrien, haha. NAja, gute Nacht.
Kar-Samstag 11.04.1998
Der vergangen Kapellenabend gestaltetet sich wie erwartet, mit Schinkenfleckerl und RIndfleischsuppe recht nett. Zu erwähnen ist allerdings Knuts Schlamm-Strunz nein -Sturz beim Weinholen. "Schütze Martens, holn se mal ne Bodenprobe !" "Moment, ich warte auf die Druckwelle". Wir erleben einen Kirchenschiff *gacker* und werden durch das sanfte ewige Licht in den Schlaf gewogen.
Plötzlich "Fards, Schepper, Krach, Boing", aha, Knut ist noch auf der Suche nach einer Kopfstütze, aber "bei aller Liebe" schläft er dann gefälligst auch.
Frühstück mit lecker Müsli und Cafe con chapellam Cappicino und Kuchen beim muslimischen Wirt und ab gehts, die schlappen 7h abreisen. Ein Killer-Spaniel hinterlässt Spuren und Rolands Hintern ist "selbstreinigend" Hier wird die Idee der selbstreinigenden Kinder geboren. Wir haben wirklich noch gar keine Ahnung, was uns noch erwartet.
Schöne Wanderung über Höhenkämme und durch schier unendliche, den Willen zerfressende und die Markierung verlieren lassende Scheiss-Drecks-Dornenbüsche. Gegen 19:30 Ankunft i San Bartholmä.
Die neue Rubrik: "Bemerkenswerte italienische Fachbegriffe"
- Grande birra con sprudello dolce - und - wurschd torso con mopsi
Weiterhin bemerkenswert, Roland jammert wie sonst noch nie. "Erschiesst mich, erschiesst mich" Er hat dieses Jahr noch zuwenig Bier gehabt. Aber dann eine Ritter Sport GIGA-Nuss und alles ist wieder gut. KLausi sitzt im brasilianischen Volleyball-National-Trikot im Wald, isst Schweinefragmente und will sich dann auch umbrien. das kann ja noch heiter werden mit den beiden.
Weiterhin bemerkenswert, Roland jammert wie sonst noch nie. "Erschiesst mich, erschiesst mich" Er hat dieses Jahr noch zuwenig Bier gehabt. Aber dann eine Ritter Sport GIGA-Nuss und alles ist wieder gut. KLausi sitzt im brasilianischen Volleyball-National-Trikot im Wald, isst Schweinefragmente und will sich dann auch umbrien. Na das kann ja noch heiter werden mit den beiden.
Oster-Sonntag 12.04.1998
Uschi aus Karlsruge machts möglich, heute haben wir zwei Etappen auf einmal geschafft und das sogar ohne Nachtwanderung. Nach einen "Spitzenfrühstück" am Wein- und Café-getränkten Tischtuch, welches sogar am Schluss noch mit einem Osterei gekrönt wird, wie üblich Start um 9:15.
Völlig problemloses Kilometer-Abspulen bis Scheggia, vorbei an netten Pferdekoppel, ersten (letzten) Schneeresten und Schneebedeckten Bergen. Auf dem 500 Höhenmeter Aufstieg Richtung Monte le Gronde ahten Waldarbeiter an einer in der Karte nicht verzeichneten Spitzkehre sämtliche Bäume mit Weg-Markierung "umbrient", so dass uns nur Rolands Inspiration auf dem Weg uzu Uschi hielt. An der letzten windgeschützten Stelle verspern wir, wobei ein gerade zu präparierender Käse die zügige Weitergabe der Wurst stoppt und den Adrenalinaustoss der Gesellschaft erhöht.
Auf den nächsten Metern werden wir von waagrecht durch die Luft peitschedem Hagel zu Boden gezwungen und weichen überzeugt auf die windgeschützte Seite des Sentiero aus, vorbei an wilden Schluchten und direkt zur 300 Jahre alten Buche in Uschis Speisesaal, um uns köstliches Radler in die Kehle zu schütten. Dabei überlegt sich Klausi, dass er sich wieder auf seine Muttersprache in Originalfassung freut und übermässige Imitation immer dunklere Schatten über seine Seele streifen lässt.
Nun freuen wir uns auf ein Menu, welches das gestrige mindestens um die zwei heute gelaufenen Etappen übertrifft.
Nach dem Essen (Tagilatelle hausgemacht und mixed grill trinken wir 4 zusammen einen Cola-Stiefel uns singen gemeinsam "piep piep piep, wir ham uns alle lieb" Am nächsten Morgen werden wir von Hans Meissers Notruf Helicopter nach Rimmini geflogen, wo wir unser neustes Buch vorstellen "4 Flaschen aus drei Ländern wandern genitalien" Ach jee, die Welt könnte so schön sein.
In Wahrheit besteht der Cola-Stiefel aus ~ 20 Grappe und 3l Rotwein und as lustige Liedchen entpuppt sich als heisse Diskussion nach dem Motto: "So, jetzt aber erstmal Kopfwaschen hier, und zwar männlich markant, 3-fach gebrannt" Die Diskussion verläuft trotz - oder wegen - der grossen Alkoholmenge, wovon ein Krug vom verlassenen Nachbetisch netwendet wurde, recht sachlich und dauert bis nach Mitternacht. Während nebenan Michael Schuhmacher den GP von Argentinien gewinnt, diskutierne wir unablässig, warum Knut keine Karte mehr bekommt und wie jetzt alles weieter jhbhbdc h s dbckjs pffffff rülps schnarch.
Montag 13.04.1998
Mt. Cucco (Uschi) - Valsorda
Nach super Frühstück und ebensolcher Rechnung (290.000 lire) gehts durch verschneite Wiesen und Pferdekoppeln. Die Strecke verläuft immer am Kamm entlang, wo uns ein steifer Wind von rechts ins Ohr pfeifft. Dieser Wind mutiert jedoch alsbalden zu einem orkanartigen Orkan (was hätten wir die ganzen Jahre auch ohne Helge Schneider nur gemacht) mit nervenzerfetzendem Prasseln von nadelspitzen hagelkörnergrossen Hagelkörnern. Nur durch geistesgegenwärtiges auf-den-boden-werfen (schon wieder) verhinden Knut und Roland, dass sie vom Wind erfasst und in ca. 800m Höhe geschleudert werden und verhungen/erfrieren. Doch auch dieses brenzlige Situation meistern wir selbstredend, so dass wir gegen 17:00 in Valsorda einlaufen, nichts ahnend uns auf eine Übernachtuing und ein gscheites Abendessen freuen.
Der indifferente Wirt ist leider ein Riese-Arschloch und lässt uns trotz konsumierten 11 Tuborg und 2l Weiswein weiter in die nächstliche Kälte ziehen. Zum Glück ahtte Knut schon vorher eine kleine Kapelle mit 3 Wänden ausfindig gemacht, wo wir die Knoblauchsuppe vom letzten Jahr und Miracolix gekocht haben. Die beiden goldenen Kirchen-Schlaf-Regeln (nix uf de Altar stelle und nie an der Schnur ziegen) können wir nur halb erfüllen, da die Kapelle eigentlich fast nur aus Altar besteht. NAch dem Essen, während dem es mehr als 10 cm geschneit hat, schlafen wir ein und wachen leicht fröstelnd zum Glück auch wieder auf.
Dienstag 14.04.1998
Nach köstlichem Kaffee-Ovo-Michmix (welches viele Jahre später von Steffen S. zum Fussnagelgetränk verunglimpft wird und ich auch nie wieder vor die Säue werfe. Aber das weiss ich zum Glück auch noch nicht) und Müsli, packen wir unsere vollgesifften Schlafsäcke un dlaufen weiter. Aufstieg auf exakt 1348, uns wirds warm aber draussen weiterhin alles eiskalt und weiss. Schöne Winterstimmung. Allerdings lässt mein Knie nach. Weiter durch grönlandartige, oh, sagte ich grönlandartig ? ich meine auch grönlandartige Schneestürme.Mittagstisch um Wilderer- und Holzfällercamp. Weiter durch liebliche Täler und runter nach Bagnara (?), wobei KLausi und ich ca. 4 Pfund Fäkalien durch Italien schleppen. In Bagnara gabs wohl eine klitzekleines Erdbeben, wir denken, dass das doch eher aussieht wie Ex-Jugoslavien und fragen uns zum Alimentario und containero socialo durch.
Die Bewohner dieser Containerstadt sind so freundlich zu uns, lassen uns in ihrem (einzigen!) Fernseh-Container übernachten und trauen sich nicht mal hinein, obwohl das UEFA-Pokal-Spiel des AC Roms schon angefangen hat.
Wir kochen nebenher, schaun noch MAiland gegen Moskau und trinken unser zweites Italia-Pilsken für 1500 lire / 66cl. Zum Essen gibts Pasta. Diesmal Spaghetti pomodora mit piseli und prosciutto.
Als die Fernsehübertragung beginnt, wagen sich schon 4 Typen herein. Einer bleibt draussen, weil er mit seiner brendenden Zigarette nicht durch unser Schlafzimmer laufen will . Gott sei Dank kann Lazro ein Gegentor verhinden, so dass die 4, die unser Gestank inzwichen eh schon fast vertrieben hat, verschwinden, ohne dass es zu einem Super-GAU, sprich Verlängerung kommt. Gute Nacht.
Mittwoch 15.04.1998
Das Frühstück wollen wir bei der Oma der golden Girls in der Bar einnehmen. Dazu kaufen wir uns im angeschlossenn alimentari pane, prosciutto und mortadella. Dabei kommt es zu einem Zibeben der Stärke 8 Pfirsich auf der ungeöffneten Ettl-Skala (worum es jetzt genau ging, weiss ich heute nicht mehr, aber ich hätte ihnen ungerührt den Hals umdrehen können, soweit erinnere ich noch noch).
Die Nachwirkungen dieses Bebens bleiben bis weit in den Nachmittag hinein spürbar. Derweil bringt Knut den containero sociale mit Rauhfaser, Zimmerspringbrunnen und Lavalampe auf deutschen Wohnungsstandard.
Bevor wir dann endgültig loskommen, lassen wir noch eine grosszügige Spende für die chiesa zurück.
Bis Colfiorito streifen wir durch zer-bebte Ortschaften. Ob dieser unwirtlichen Umgebung beschliessen wir, die Mammutetappe bis Collatori (?) zu machen. DAs Wetter zeigt sich heute von seiner besseren Seite, wodurch sich Knut zu einem kliezekleinen Lob hingerissen fühlt. Zwei Minuten später fährt uns eine Windböe durch die Parade und zerstreut unsere Müll in alle Himmelsrichtungen. Die Mülltüte wird höchstselbigst in luftigste Höhen befördert und könnte dem Alitala-Flug von Rom nach Madrid zum Verhängnis werden. Darin befindet sich Arrigo Sacchi, der bei Athletico Madrid einen 5-Jahresvertrag unterschreiben will. Da dies nun nicht zustande kommt, wird Athletico komplett an Real verkauft. Dadurch hat Real endlich regelgerechte Tore (1998 Real gegen Dortmund mit Jauch und Reiff) für internationale Wettbewerbe. Fifa-General-Sekretär Blatter erklärt daraufhin die Strafe für das gefallenen Tor im Hinspiel der CL für nichtig. Jupp Heinkes.......
Klausi, was hast du denn dann für einen Mist geschrieben, ich überspringe jetzt mal einige Passagen....
Es geht weiter, als es für uns fast nicht mehr weiter geht und wir entkräftet bereits wieder eine Übernachtungsmöglichkeit in Richtung Forcella suchen. Wir drehen aber bereits bei der ersten Ansicht aus einigen Höhenmeteren darüber ab, da es nicht mal einen Containero gibt. Ein Opa, der an der Strasse Baumaterialien abkratzt, informiert uns, dass wohl nirgends vor Colfiorito eine Bleibe zu finden sein wird. Wir laufen stöhnend ("erschisst mich") bis zum nächsten Containerdorf S. MArtino. Unsere letzte Hoffung bildet ein Ford Transit Pritschenwagen, der zwei Arbeiter aus der Blechstadt wegbringt. Überfallartig klammenr wir uns an die Pritsche. Zum Dank dafür beschlisst Roland KLausi zu heiraten, was allerdings bis heute noch nicht eingelösst wurde. Oder zumindest soll Klausi eine Fussmassage bekommen, ohne vorher waschen. Vieleicht wird KLausi diesen Gutschein na Knut weitergeben, dass wäre ein Spässchen.
Im 3-Stern labergo angekommen, geben wir uns Trüffelgenüssen hin. Nach dem Essen sind wir alle rechtschaffen müde, KLausi und ich schauen noch ca. 70 sec. Dortmund- Real und sinken trotzdem in tiefen Schlaf.
Donnerstag 16.04.1998
Roland weckt uns in seiner leisen und ruhigen Art "Heee, habt ihr abgeschlossen oder was ?? *rüttel*" Wir frühstücken und wackeln zur 300 m weiter entfernten Pizzaria mit integrierter Videothek. Hier erblickt Knut zum ersten Mal in seinem Dasien die Welt des Fernsehens und verfolgt zuerst Speed 1 und dann noch Independence Day mit weitgeöffnetem Mund und abgestandenem Bierglas in der Hand. Der Glückliche...
Wir organisieren zwischenzeitlich die Busfahrt nach Foligno und traino diretamente nach Rom. Dort ab in McDonalds, wo wir zu verhindern wissen, dass erstens Knut sich wieder Frikadellenbrötchen mit Brause bestellt und zweitens Roland sich ein völlig überteuertes Brithney Spears shirt kauft. Im Bahnhofsrestaurant trinken wir Dosenbier, Knut durchbricht die Schallmauer von 2 Duzend mal Pinkeln binnen 10 Stunden, verschwindet daraufhin im NAchtzug nach München, von dort nach Freiberg etc..
Wir restlichen sitzen dann im Nachtzug nach Zürich und geben uns alle Mühe das Abteil zu verstinken.
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