umweltsoziologie
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31.01.-02.02.2008: 5. Tagung der NG Umweltsoziologie in Wien

"OBJEKTIVE ANALYSE UND NORMATIVE ZIELE? - WANDEL GESELLSCHAFTLICHER NATURVERHÄLTNISSE UND DIE ROLLE DER WISSENSCHAFT"

Call for Presentations

OBJEKTIVE ANALYSE UND NORMATIVE ZIELE?
Vom Einsatz toxischer, sich in der Nahrungskette anreichernder Pestizide
über Nuklearwaffen-Tests hinzu steigender Bevölkerungsdichte
und damit einhergehenden Hungerepidemien (Carson, Commoner,
Ehrlich und Ehrlich): Die in den 1960er und 70er Jahren erstarkende
Umweltbewegung thematisierte diese und andere (selbst)zerstörerische
Ausprägungen der Interaktionen von Gesellschaften mit ihrer Umwelt.
Zunächst waren es vor allem die Umweltbewegungen selbst, die das
Interesse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weckten.
Indem sie sich mit den sozialen Ursachen von Umweltproblemen und
deren Auswirkungen auf Gesellschaften auseinander setzte, schuf die
Umweltsoziologie einen relevanten Rahmen für die Analyse gesellschaftlicher
Naturverhältnisse über die Grenzen der Disziplinen hinweg
(William Catton und Riley Dunlaps Artikel "Environmental Sociology:
A New Paradigm" ist in diesem Kontext grundlegend).
Wissenschaft ist immer auch Teil des Objekts ihrer Betrachtung und ist
als solcher auch in die Gesellschafts-Natur-Interaktionen - möglicher
Gegenstand ihrer Analyse - eingebunden. Vor diesem Hintergrund muss
die Forderung nach Objektivität als problembehaftet bewertet werden.
Bis heute hat allerdings innerhalb sozialökologischer Forschung keine
ausreichende Auseinandersetzung mit den normativen Implikationen
dieses Zustands stattgefunden. Darunter leiden vor allem die Möglichkeiten
der Wissenschaft, eigenständige Beiträge zur Gestaltung
gesellschaftlicher Naturverhältnisse zu leisten.
Als Vorleistung dazu müsste der jetzige Umgang sozialökologischer
Forschung mit den ihr gestellten normativen Implikationen analysiert
werden. Daran anschließend können Überlegungen angestellt werden,
wie mit diesen Implikationen umgegangen werden sollte. Bislang
oftmals nur implizit vorhandene Ziele müssen explizit gemacht werden,
damit eine umfassendere Auseinandersetzung mit ihnen erfolgen kann.

Was für eine Gesellschaft wird also angestrebt? Und auf welchem
Wege sind die notwendigen Veränderungen zu erreichen? Schließen
sich radikalere (Pepper, Bookchin) und reformistischere (Buttel,
Diekmann/Preisendörfer) Ansätze gegenseitig aus? Oder verhalten
sie sich zueinander komplementär?
Im Rahmen der NG Umweltsoziologie Tagung laden wir dazu ein, sowohl
die analytische als auch die normative Auseinandersetzung mit
der eigenen Forschungsarbeit und den theoretischen Grundlagen, auf
denen sie beruht, zu unternehmen. Ausgangspunkt kann dabei sowohl
die empirische als auch die theoretische Arbeit sein, die hinsichtlich der
normativen Implikationen, denen sie unterliegt, dargestellt wird.
Forschungsarbeit könnte beispielsweise hinsichtlich ihres Umgangs
mit dem Wachstumsparadigma analysiert und in der aktuellen Debatte
um die Rolle von Wirtschaft in der Interaktion von Gesellschaft und
Natur verortet werden. Sowohl Standpunkte, die unbegrenztes Wirtschaftswachstum
in einer physisch begrenzten Welt nicht für möglich
halten (Catton, Meadows und Meadows, Daly), als auch solche, die die
notwendigen Mechanismen zum Schutz der Umwelt der kapitalistischen
Wirtschaftsweise zuschreiben (Mol, Jänicke), können dabei als Bezugsrahmen
dienen.
Neben dieser analytischen Reflexion der eigenen Forschungsarbeit sind
auch solche Beiträge willkommen, die Ideen für einen neuen Umgang
sozialökologischer Forschung mit Normativität entwickeln. Dabei geht
es sowohl um die Entwicklung bzw. Offenlegung von Zielstellungen als
auch um das Aufzeigen von Wegen, auf denen diese verwirklicht werden
können.
Die Ergebnisse der einzelnen Beiträge sollen in anschließenden
Diskussionen zusammengeführt werden. Dadurch wird eine kritische
Begegnung mit Wissenschaft, die zur Lösung der Probleme, die sie
thematisiert, auch einen Beitrag leisten kann, ermöglicht.
Die gemeinsame Diskussion der von den ReferentInnen präsentierten
Inhalte (Impulsreferate, 15-20 Minuten) bildet den Schwerpunkt der
Tagung. Abstracts, die den Inhalt geplanter Präsentationen umreißen
(ca. 300-500 Wörter), können bis 14. Dezember 2007 elektronisch an
anke.schaffartzik@uni-klu.ac.at gerichtet werden.

Quelle: http://www.ng-umweltsoziologie.de/ngu/downloads/aktuelles/call2008.pdf

Homepage der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie